

Die Anfragen werden weniger. Projekte, die früher selbstverständlich kamen, bleiben aus. Budgets werden eingefroren, Entscheidungen verschoben, Rückmeldungen kommen gar nicht mehr. Du machst nichts anders als vorher – aber die Ergebnisse sind andere.
Willkommen in der Kaufzurückhaltung.
Es ist nicht so, dass niemand mehr kauft. Aber es fühlt sich zäher an. Gespräche, die früher zu Aufträgen führten, versanden. Interessenten melden sich, verschwinden wieder, tauchen Monate später auf – oder nie. Das Tempo hat sich verändert. Die Leichtigkeit ist weg.
Und dann kommen die Fragen: Liegt es an mir? An meinem Angebot? An meinen Preisen? Muss ich jetzt billiger werden, lauter werden, mehr machen?
Die ehrliche Antwort: Vielleicht liegt es an nichts davon.
Manche Dinge liegen schlicht nicht in deiner Hand. Wenn Unternehmen Budgets kürzen, wenn Unsicherheit die Wirtschaft lähmt, wenn Menschen ihr Geld zusammenhalten – dann ist das keine Aussage über dich oder dein Angebot. Es ist Kontext. Wetter, durch das du hindurch musst.
Es hilft nichts, so zu tun, als gäbe es dieses Wetter nicht. Und es hilft genauso wenig, darin zu versinken. Die Frage ist nicht: Wie schaffe ich das Wetter ab? Die Frage ist: Was kann ich trotzdem tun?
In schwierigen Phasen wächst der Druck, radikal zu werden. Preise senken. Neue Zielgruppen ansprechen. Das Angebot erweitern. Alles anders machen.
Manchmal ist das richtig. Oft ist es Panik.
Denn wer in der Krise alles ändert, verliert genau das, was ihn erkennbar macht. Die Positionierung, die mühsam aufgebaut wurde. Die Klarheit, für wen man arbeitet. Das Profil, das die richtigen Kunden anzieht.
Und bevor du alles infrage stellst: Schau dich um. Gibt es in deinem Umfeld, in deiner Branche, jemanden, der seine Preise hält? Der weiterhin Aufträge gewinnt – vielleicht sogar die guten? Dann ist der Markt nicht tot. Dann gibt es Kunden, die kaufen. Die Frage ist nur, warum sie nicht bei dir kaufen.
Manchmal ist die Kaufzurückhaltung real. Und manchmal ist sie ein Gedanke in deinem Kopf, der sich wie Realität anfühlt.
Du kannst den Markt nicht ändern. Aber du kannst beeinflussen, wie du in diesem Markt wahrgenommen wirst.
Das bedeutet nicht, lauter zu schreien. Es bedeutet, präziser zu werden.
Wen willst du wirklich erreichen? Nicht irgendwen, der vielleicht zahlen könnte – sondern die Menschen, für die dein Angebot genau richtig ist. Auch und gerade jetzt.
Was zeigst du nach außen? Portfolio, Website, Social Media – erzählen sie noch die Geschichte, die du erzählen willst? Oder sind sie Relikte aus einer Zeit, als du noch anders gearbeitet hast?
Und ja: Vielleicht funktionieren alte Wege nicht mehr so gut wie früher. Aber bevor du neue Kanäle testest, neue Formate ausprobierst, neue Zielgruppen ansprichst – stell die unbequeme Frage: Ist eigentlich klar, wen du erreichen willst? Und was du diesem Menschen verkaufst?
Denn ein neuer Kanal bringt nichts, wenn die Botschaft nicht sitzt. Mehr Sichtbarkeit bringt nichts, wenn sie die Falschen anzieht.
Kaufzurückhaltung trifft alle – aber nicht alle gleich.
Wer austauschbar ist, spürt sie zuerst. Wer unklar positioniert ist, verliert in der Masse. Wer nur sichtbar wird, wenn er etwas verkaufen will, hat in stillen Zeiten nichts zu sagen.
Aber wer klar ist, wer einen Unterschied macht, wer auch dann auftaucht, wenn es nichts zu verkaufen gibt – der bleibt im Kopf. Und wenn die Budgets wieder locker werden, wenn die Entscheidungen wieder fallen, dann ist er die erste Adresse.
Wer in der Kaufzurückhaltung nicht untergeht, ist nicht der Lauteste. Sondern der Klarste.
Noch keine Kommentare vorhanden
Was denkst du?