Das falsche Anfragen-Problem

Das falsche Anfragen-Problem
Susanne Rohr
von Susanne Rohr

Das Telefon klingelt. Eine E-Mail kommt rein. Jemand hat dich gefunden, will mit dir arbeiten – eigentlich genau das, was du dir wünschst. Aber nach zwei Minuten weißt du schon: Das wird nichts. Falsches Budget. Falsche Vorstellung. Oder eine Leistung, die du seit Jahren nicht mehr anbietest. Du legst auf, schließt die Mail, und fragst dich: Warum passiert mir das ständig?

Willkommen beim falschen Anfragen-Problem.

Wenn Sichtbarkeit nicht reicht

Du bist sichtbar. Du wirst gefunden. Menschen melden sich bei dir. Trotzdem fühlt es sich falsch an. Die Gespräche drehen sich von Anfang an ums Geld. Du musst erklären, was du nicht machst, bevor du überhaupt sagen kannst, was du anbietest. Manche Anfragen klingen, als hätten sie deine Website nie gelesen – oder als hätten sie eine ganz andere gelesen.

Das Frustrierende daran: Du investierst Zeit in Erstgespräche, die nirgendwohin führen. Du schreibst Angebote für Menschen, die eigentlich jemand anderen brauchen. Und irgendwann schleicht sich ein Gedanke ein: Vielleicht liegt es an mir. Vielleicht ist der Markt einfach so.

Aber der Markt ist nicht das Problem.

Die unbequeme Wahrheit

Falsche Anfragen sind kein Pech. Sie sind Feedback.

Jede Anfrage, die nicht passt, ist eine Antwort auf die Frage: Was kommunizierst du nach außen? Menschen reagieren auf das, was sie sehen. Auf deine Website, deine Texte, deine Referenzen, deine Social-Media-Präsenz. Wenn die falschen Menschen anklopfen, haben sie dort etwas gefunden, das sie angesprochen hat.

Die Ursachen sind oft banal – und genau deshalb leicht zu übersehen:

Deine Website zeigt noch Arbeiten, die du längst nicht mehr machen willst. Dein Portfolio erzählt von einer Vergangenheit, nicht von deiner Zukunft. Deine Texte sprechen eine Sprache, die du vor fünf Jahren gesprochen hast – als du noch jeden Auftrag gebraucht hast, als du noch breiter aufgestellt warst, als du noch nicht wusstest, wohin die Reise geht.

Oder deine Positionierung ist so vage, dass sich jeder angesprochen fühlen kann. Was nett klingt, aber in der Praxis bedeutet: Du ziehst Menschen an, die gar nicht zu dir passen. Weil sie nicht erkennen können, dass du nicht für sie bist.

Was auf dem Spiel steht

Ja, der Markt ist gerade schwieriger. Budgets sitzen nicht mehr locker, Entscheidungen dauern länger. Umso wichtiger wird die Frage: Wenn schon weniger Anfragen kommen – sollen es dann wenigstens die richtigen sein?

Stell dir vor, acht von zehn Anfragen würden passen. Menschen, die verstehen, was du tust. Die dein Angebot gelesen haben und trotzdem – oder gerade deshalb – mit dir arbeiten wollen. Keine Preisverhandlungen im ersten Satz. Keine Erklärungen, warum du etwas nicht anbietest.

Was würde das mit deiner Energie machen? Mit deiner Freude an der Arbeit? Mit deinem Umsatz?

Das falsche Anfragen-Problem kostet mehr als Zeit. Es kostet Motivation. Es nährt den Zweifel, ob das alles so richtig ist, wie du es machst. Und es hält dich in einem Kreislauf: Du arbeitest mit den Falschen, weil die Richtigen dich nicht finden – und hast deshalb keine Zeit, daran etwas zu ändern.

Der Hebel liegt bei dir

Die gute Nachricht: Die Lösung liegt nicht bei den Kunden, die sich melden. Sie sind nicht das Problem. Sie folgen nur den Signalen, die du sendest.

Der Hebel liegt bei dir. Bei dem, was du zeigst. Bei dem, was du sagst. Bei den Geschichten, die du erzählst – und bei denen, die du nicht mehr erzählen solltest.

Das ist keine schnelle Reparatur. Es erfordert, ehrlich hinzuschauen: Wen will ich wirklich erreichen? Und was an meiner Außendarstellung spricht gerade zu jemand anderem?

Aber es ist der einzige Weg raus aus dem falschen Anfragen-Problem. Nicht mehr Sichtbarkeit. Sondern die richtige.

Susanne Rohr
Susanne Rohr
Ich bin Susanne Rohr – Sparringspartnerin für inhabergeführte Unternehmen im Premiumsegment. Wir schaffen Klarheit über Zielkunde, Angebot und Preis – damit Sie die richtigen Kunden gewinnen, zu Ihrem Preis. 25+ Jahre Erfahrung. BAFA-zertifiziert.

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